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Gedanken zum Buch

„Joseph – Der Weg zum Graal“

von Wolfgang Wallner-F.

(als: „Zuletzt“ im Buch als Nachwort verwendet)

 

 

In diesem Buch wird auf die Gralserzählung Bezug genommen. Das Wort „Graal“, das in diesem Buch verwendet wird, ist eine altfranzösische Schreibweise für den Gral.

 

Vielleicht kann der Inhalt der Graalserzählung als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Trotzdem will ich sie hier so kurz wie möglich in Erinnerung bringen. Zur Vollständigkeit sei auf die vielen Interpretationen in psychologischer und religiöser Sicht (was letztlich dasselbe ist) hingewiesen. Als Beispiel führe ich hier das Buch „Der Heilige Gral“ von Malcolm Godwin[1] an oder auch „Die Graalslegende in psychologischer Sicht“ von Emma Jung und Marie-Louise von Franz.[2]

 

Der Gral in der Mitte von Artus' Tafelrunde, französische Handschrift des 14. Jhs.

Die Graalslegende, den meisten Lesern sicherlich vertraut, ist wahrscheinlich bereits stark von christlichen Einflüssen gefärbt. Ziemlich gesichert erscheint, dass die Legende zumindest im 6.

Jahrhundert angesiedelt ist. Die ursprüngliche Erzählung hat keltischen und heidnischen Ursprung, gilt aber als verschollen. Die erste erhaltene Aufzeichnung des Stoffes lieferte Chrétien de Troyes im 12. Jahrhundert. Möglicherweise starb Chrétien, bevor er das Werk vollenden konnte, das Ende der Geschichte wurde jedenfalls erst ein gutes Vierteljahrhundert später von anderen Autoren verfertigt.

 

Im Parzival, der deutschen Version, stellte Wolfram von Eschenbach am Beginn des 13. Jahrhunderts die Graalsuche als das Streben des Individuums nach Ganzheit dar. Es geht Wolfram um die Versöhnung der Natur mit dem „Über-Natürlichen“. Nach der strikten Trennung von Gott und der Natur bzw. den Regeln der Religion durch den christlichen Glauben wurde hier eine Wunde in der menschlichen Seele geöffnet, die eine Versöhnung dringend erforderlich macht. Im Prolog führt Wolfram an: „Jede Tat zeitigt gute und auch schlechte Folgen.“

 

Die eigentliche Handlung in Eschenbachs Parzival spielt meist in einer Traumlandschaft, einer mystischen Jenseits- oder Gegenwelt. In dieser Gegend wird ein Held geboren, dem es bestimmt ist,  ein geheimnisvolles Objekt, den Graal zu suchen. Es fehlt ihm der Sinn für Weltlichkeit, ihm ist eine Unschuld eigen, die ihm die Bezeichnung „tumber Tor“ oder „reiner Tor“ einbringt. Er wächst in weiblicher Domäne auf, psychologisch (in der vorherrschenden Interpretation) ein Hinweis auf seine „Unbewusstheit“. Diese Unbewusstheit wird ihn in Situationen bringen, in denen er aus gutem Willen, aber aus Mangel an Überlegungen Taten setzt, die schlechte Folgen haben (Tod der Mutter, Raub eines Ringes usw.).

Sein sehnlichster Wunsch ist es Ritter zu werden. Nach einigen Abenteuern begibt er sich auf den Hof des Königs Artus, wo er in die Tafelrunde aufgenommen wird. Schließlich reitet er fort, um den Graal zu finden. Tatsächlich findet er die Graalsburg, den an einer Wunde leidenden König Amfortas und erlebt eine Graalszeremonie mit, bei der er aber nicht eine erforderliche  Frage stellt, die den König (Fischerkönig) erlösen könnte. Am nächsten Tag erwacht er daher fern der Burg auf einer Wiese wieder. In der Folge muss er eine Reihe von Abenteuern bestehen, so zum Beispiel Unrecht rächen, den Graal gewinnen, die richtige Frage stellen. Während er das alles macht, geht in ihm eine Wandlung vor und es gelingt, den verwundeten Graalshüter, den Fischerkönig zu heilen und ein verdorrtes Land dadurch wieder grünen zu lassen. Zuletzt nimmt Parzival aber nicht die Nachfolge des Fischerkönigs an (er nimmt nicht den freien Stuhl), sondern steigt als Heiliger mitsamt dem Graal in den Himmel.

 

Dort ist also der Graal seitdem und der Fischerkönig hat genau genommen bisher noch keinen Nachfolger.

 

Die Vereinigung christlicher Vorstellungen der Entwicklung (der Mensch in der Nachfolge Christi) mit dem natürlichen Erbe (genetische, animalische Veranlagung) ist für die menschliche Psyche zwar notwendig, aber noch immer nicht gelöst, so dass die Graalssage weiterhin eine ungeheure Anziehung auf die Menschen ausübt. Dies deshalb, da die erweckten Archetypen (nach C.G. Jung) noch immer höchst wirksam sind und noch immer einer Integration bedürfen.

 

Von einiger Wichtigkeit im Zusammenhang mit „Joseph – Der Weg zum Graal“ ist auch die Diskussion um die Interpretationen der Quantenphysik.

Von der breiten Öffentlichkeit bisher noch immer weitgehend unbeachtet, wurde in den 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ein das Weltbild entscheidend veränderndes Experiment durchgeführt. Die Auswirkung kann nur mit denen der Paradigmenwechsel vom geozentrischen in ein heliozentrisches und vom theozentrischen in ein anthropozentrisches Weltbild oder den Auswirkungen der beiden Relativitätstheorien verglichen werden.

 

Die Physiker Alain Aspect [3], Jean Dalibard und Gérard Roger vom Institut für theoretische und angewandte Optik in Paris bewiesen damit eine der folgenden Möglichkeiten:

 

1. entweder gibt es eine Kommunikation zwischen getrennten Objekten, sowohl in die Zukunft wie auch in die Vergangenheit und diese in Überlichtgeschwindigkeit,

2. oder die Welt ist nicht in separierbare Einzelheiten teilbar.

 

Erwin Schrödinger

Physiker gehen davon aus, dass subatomare Teilchen (Partikel) über eine Drehung (Spin) verfügen. Wenn man verschiedene Partikel miteinander vergleicht, fällt auf, dass sie sich in unterschiedlicher Weise drehen (nebenbei gibt es da auch die „unverständliche“ Besonderheit, dass ein Elektron nach einer Drehung um 360 ° erst eine halbe Umdrehung machte, zur vollständigen Umdrehung benötigt es 720 °).

 

Allgemein und äußerst vereinfacht dargestellt, sah das Experiment des Teams um Aspect und dessen Nachfolgeexperimente folgendermaßen aus: 

Ein Photon mit einer bestimmten Drehung (Spin), nennen wir sie 0, wurde „geteilt“. Es stellte sich heraus, dass beide neuen Teile in Summe wieder die Drehung 0 besaßen (also z.B. +1 und -1). Die Teilchen in ihrer Gesamtheit bildeten zwar eben unterschiedliche Teilchen, der Gesamtzustand „ihrer Welt“ (Drehung 0) änderte sich aber nicht.

Die Teilchen entfernten sich voneinander. Nach einer Weile wurde eines dieser „Zwillingsteilchen“ beeinflusst, um seine Drehung zu ändern. Die Drehung des beeinflussten Teilchens änderte sich daher auf (sagen wir) +2. Gleichzeitig wurde der Spin des anderen der beiden Zwillingsteile gemessen und es stellt sich heraus, dass sich der Wert sofort auf -2 geändert hatte.

Es musste also eine Kommunikation der doch getrennten Teilchen stattgefunden haben. Das Bemerkenswerte dabei war die Tatsache, dass die beiden Teilchen sich schon so weit voneinander entfernt hatten, dass die Kommunikation sich in einer Überlichtgeschwindigkeit fortpflanzen hätte müssen, die aber nach der Relativitätstheorie unmöglich wäre.

 

Das eindeutige Ergebnis des Versuches war daher, dass sich der Gesamtzustand (oder die Gesamtaussage) von ehemals zusammengehörenden Objekten nicht verändert. Und, was seltsam ist, dass Änderungen eines Objektzustandes sofort und unmittelbar, ohne Rücksicht auf die Entfernung, an andere, ehemals zusammengehörende Objekte „mitgeteilt“ werden, wobei die Form der Kommunikation nicht vorstellbar ist.

Nochmals sei klargestellt, dass die Terminologie zur Beschreibung des Experimentes ganz vereinfacht und populär dargestellt wurde, das Ergebnis war aber eindeutig das oben angeführte.

 

Eine (vielleicht eher paradoxfreie) physikalische Erklärung wäre die, dass die beiden Teile gar nicht von einander getrennt waren und nur die „Erziehung“ des Menschen zu der Annahme der Getrenntheit führte!

 

Was gibt es für Auswirkungen, wenn der „Urknall“ in dieses Gedankenmodell einbezogen wird! Eine unmittelbare Verbindung aller erkennbaren und auch unentdeckten Objekte, aber auch Vorstellungen!

 

Es ist doch nicht zu leugnen, dass die Menschheit Ursachen und Wirkungen seit Anbeginn der Geschichte immer mehr vom Außen ins Innere verlegt hat. Auch Gott war, in welcher Form auch immer, ursprünglich nur außerhalb des Menschen, ja auch außerhalb der gesamten Schöpfung. Erst der Wissenschaft und der Psychologie (also der Aufklärung) ist es zu verdanken, dass Ursache und Wirkung im Menschen selbst liegen (Ursache in seinem Willen, Wirkung in seiner Beobachtung, siehe Quantenmechanik: Die Wirkung ist vom Beobachter nicht mehr getrennt).

Jesus sagt uns, dass wir seinem Beispiel folgen sollen, dass wir ihn (Jesus) in uns aufnehmen sollen und ähnliches mehr.

Wir sollen in der christlichen Religion also selbst zu Gott werden.

Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen „Gottesmacht“ erhalten, vielmehr bedeutet das eine Übernahme jeglicher Verantwortung für jeden Teil der Schöpfung, aber auch größte Demut[4] vor jedem Geschöpf. Ist doch jeder Teil der Schöpfung ein Teil des Menschen selbst.

Dies deshalb, da nur vorstellbar ist, dass „vor dem Urknall“ (die Bezeichnung „vor dem Urknall“ ist natürlich falsch, denn erst beim Urknall entstand Zeit und Raum) alle offensichtlichen und verborgenen Erscheinungen zumindest in deren Möglichkeiten bereits vorhanden waren. Woher sollten diese sonst auch kommen? Das kann aber nur bedeuten, dass jeder vorstellbare Gedanke des Menschen auch in irgendeiner Form in einer Realität besteht, woher denn sollte dieser Gedanke sonst kommen?

Also auch der Gedanke an Gott.

Wir könnten also zu der vorläufigen Hypothese kommen, dass irgendetwas die „Welt“ schuf.

 Diese Welt existiert seit dem Zeitpunkt auf einem physikalischen Ereignisstrahl, in dem aber Gott selbst (für den aufgeklärten Menschen) vielleicht nicht mehr außen vorkommt (der ist beim Ursprung zurückgeblieben).

Dieser außen nicht mehr vorkommende Gott war spürbar durch eine Einheit. Die Sehnsucht nach dieser Einheit verwechseln Menschen oft mit Liebe und zwar in jeder Form.

Die Einheit selbst ist die absolute Liebe.

Der „Mensch“ war ursprünglich natürlich Teil eines Ganzen (woher käme er sonst) und ist es auch weiterhin. Aber „vor dem Urknall“ muss jeder Teil in allen anderen Teilen enthalten gewesen sein (woher kämen die Teile sonst). Das bedeutet, jeder Teil der Schöpfung muss jeden Teil der Schöpfung in sich enthalten.

Das führt zur unbedingten Verantwortung jedes bewussten Teiles (des Menschen) für die gesamte Schöpfung.

Übernimmt der Mensch nicht die Verantwortung, dann tötet er sich selbst. Diese Entwicklungsrichtung ist in unserem Kulturkreis zumindest vermutbar.

Um dieses Gedankenmodell zu vervollständigen muss noch angeführt werden, dass beim Vorhandensein jeder Möglichkeit „vor dem Urknall“ auch die Möglichkeit des „Nichturknalls“ existent sein muss. Und wenn die Möglichkeit vorhanden ist, muss auch eine entsprechende „Realität“ vorhanden sein. Das bedeutet aber nicht weniger, als dass der Mensch mit seinem Bewusstsein noch immer neben seiner „irdischen“ Existenz auch in der Einheit „vor dem Urknall“ existieren muss. Dass er also tatsächlich Gott ist, nämlich der in der Bibel beschriebene Schöpfer. (Nochmals: ein Zustand „vor dem Urknall“ ist natürlich unmöglich, da Zeit und Raum erst mit diesem entstanden ist).

 

Michelangelo Buonarroti, Sixtinische Kapelle, Deckenfresko

Gott, der uns in der Bibel schuf, kann nur ein Teilgott sein. Wenn Gott absolut ist (alles andere wäre bei Gott absurd) muss er mit der Schöpfung auch das Gegenteil sowie jede Variante dazwischen und darüber hinaus geschaffen haben. Sonst wäre er nicht absolut. Wir können nicht annehmen, dass Gott Ambitionen in eine bestimmte Richtung (Neigungen) hat. Wir sollten aber damit aufhören, Teilgötter anzubeten.

 

Wir selbst können nur Teilerscheinungen (Teile der Erscheinungen)des „Gesamten“ sein. Im „Gesamten“ gibt es - wie die gesamte Schöpfung  - auch das Gegenteil von uns, so wie jede Variante dazwischen und darüber hinaus.

Der (geometrische) Mittelpunkt unseres Seins ist also unsere Nichterschaffung, unser Nichtsein, der Nullpunkt (der Gegenpol unseres gesamten Erschaffungsspektrums ist das Gegenteil unserer selbst, nicht aber das Nichtsein).

Die gesamte Schöpfung als Außenstehender (wenn das möglich wäre) betrachtet, muss alle möglichen Entwicklungen in allen Varianten, dazwischen und darüber hinaus beinhalten (bildlich – wenn auch sicher nicht in dieser dreidimensionalen Form zutreffend – eine Kugel, mit dem Mittelpunkt: Dem Nichtsein).

Gesamt gesehen also eine Aufhebung, das bedeutet: keine Entwicklungen, keine Erscheinungen, dasselbe wie wenn es überhaupt nie Entwicklungen und Erscheinungen gegeben hätte.

 

Wir, als bewusste Menschen, sind „Gefangene“ unseres „Entwicklungsstranges“ (räumlich und zeitlich, doch das wegen unserer Erfahrungen, wegen unserer Erziehung), doch durch unser Bewusstsein können wir darüber hinaus denken.

 

Das bedeutet: Gott, den Menschen anbeten, ist ebenfalls nur Stückwerk. Und da wir das bisher nicht erkannt haben, ist der Widersacher ebenfalls nur Stückwerk, beides daher in Wirklichkeit der absolute Gott, oder eine Annäherung daran.

Der Widersacher (Schlange, Satan, Luzifer etc.) ist daher tatsächlich „nur“ Gottes „Schatten“ im Sinne der Jung´schen Psychologie (nicht aber Schatten des absoluten Gottes).

Wir erkennen Gott.

Wir erkennen den Widersacher.

Gott selbst in seiner Vollkommenheit (der absolute Gott) hat alles, wirklich alles, integriert. Das bedeutet, der absolute Gott kann kein irgendwie erkennbares Bewusstsein haben, sonst wäre er nicht absolut, sondern wieder nur eine Teilerscheinung seiner selbst.

 

Der Gott, den wir anbeten, kann den Widersacher nicht integrieren, da er zu einer bestimmten Zeit des Universums „geboren“ (für uns erkennbar) wurde, und diese Geburt die Geburt unserer Religion wurde. Dieser Gott „entwickelte“ sich nicht mehr erkennbar, da eine Weiterentwicklung sich nicht mehr auf unserem Ereignisstrahl[5] abspielt.

Der Gott, zu dem wir beten, ist also grundsätzlich statisch, zu keiner Entwicklung fähig.

Was sich entwickeln kann, sind wir.

Wir sind das Einzige, das sich tatsächlich auf unserem Ereignisstrahl befindet, und zwar sogar jede einzelne Zelle. Also liegt es an uns, den Schatten (Luzifer) in Gott zu integrieren.

 

Phosphorus (=Luzifer) mit seinen Eltern Gemälde von F. Boucher (Ausschnitt), 1763

Ohne Integration des Schattens ist eine psychische Weiterentwicklung nicht möglich. Das heißt vorerst, jeder Mensch soll zu Gott werden und den Schatten integrieren. Nur dann besteht die Möglichkeit, vollständig zu werden.

Zuerst müsste Gott vollständig werden, dann kann es erst der Mensch werden. Gott als Gott ist dazu nicht fähig. Der Gott der Bibel muss daher zum Menschen werden, um sich weiter entwickeln zu können.[6]

Tatsächlich hat „Gott“, oder die menschliche Psyche, das auch versucht, aber unzulänglich, da es sich bei Jesus ja um einen „Halbgott“ handelt, aber immerhin ein Muster. Das Auftreten Jesus´ kann daher auch als Auftreten des Archetypus (laut Jung) gesehen werden.

Dieser Archetypus tritt dann in der Realität auf, wenn der Mensch diese, seine eigene Möglichkeit der Menschwerdung Gottes nicht als eigene Möglichkeit sieht, die Psyche aber auf die Notwendigkeit dieser Entwicklung hinweisen muss. Die Psyche weist immer mit Nachdruck darauf hin (so auch beim Graal).

Aus diesem Grund erscheint ja auch der Widersacher immer wieder außen, sogar für den Gott der Bibel.

Bisher haben wir immer Gott, Jesus und auch den Widersacher, wenn überhaupt, als außerhalb unser selbst gesehen, sie auf eine „höhere“, jedenfalls auf keine menschliche Ebene gestellt und damit uns entfremdet. Die Folgen können wir sehen, eine Entfremdung des Menschen von der Schöpfung. (Meister Eckehart schreibt dazu: „Was der Mensch liebt, das ist der Mensch, ist folgendermaßen zu verstehen: Liebt er einen Stein, so ist er ein Stein . . .“. Das vollständige Zitat ist im Kapitel „Das Romanische Tor“ zu lesen).

Noch fataler sind die Folgen einer gelebten „Gottlosigkeit“, die zur Füllung des Vakuums zu einer Anbetung ausschließlich der Materie führt, was den Tod des Menschen bringt, wie Friedrich Schiller mit Franz Moor vorzeigt.[7] Das soll keinesfalls die Negierung oder Missachtung der Materie bedeuten. Auch die Materie ist Teil der Schöpfung und daher unser selbst - wie bisher und im Weiteren ausgeführt wurde und wird - und müsste als Teil unser selbst geliebt werden. Die Materie ist es aber, die viele Kirchen als minderwertig anklagen, ja verdammen. Wenn der „heutige, aufgeklärte“ Mensch meint, Religion hat nur wenig Auswirkung auf unser Bewusstsein, dann irrt er. Diese unbedingte Ablehnung der Materie, des Dunklen und damit auch der Weiblichkeit ist Grund unserer Getrenntheit, Grund des zivilisatorischen Unbehagens und letztlich wäre die Trennung unzweifelhaft der Grund des Unterganges der Menschheit. Die propagierte (männliche) „Machbarkeit“ von Allem, beschränkt sich immer nur auf die Bekämpfung von Symptomen, nie auf die Heilung einer Gesamtstruktur, sei dies Technik, Wirtschaft, Umwelt oder auch der Mensch selbst.

 

Der erste, unbedingt notwendige Schritt zur Vollkommenheit muss die Integration des Widersachers in Gott sein.

Damit Gott zum Menschen - und nicht mehr zum Halbgott – wird, muss der Mensch selbst Gott werden.

Das ist er ohnehin, da er ihn erkennt und historisch gesehen auch tatsächlich immer mehr in sich selbst erkennt. Obwohl die Absicht dieser Integration Gottes im Menschen und umgekehrt überall sichtbar und erkennbar ist, hat das aber im Bewusstsein des Menschen bisher wenig bis keine Folgen gehabt. Jedenfalls keine, die den Menschen zur Vollständigkeit führt. Er weiß es einfach nicht!

In der Psychologie besteht ein wesentlicher Schritt zur Heilung von psychologischen Blockaden in der Bewusstmachung von Tatsachen. Tatsachen, die psychisch wirklich, das heißt wirksam sind.

Der Mensch muss sich also nur mehr bewusst machen, dass er Gott ist.

Möglicherweise könnte dann der Widersacher als Archetyp (Schatten) auch in der Realität auftreten (Beschreibung der Apokalypse?) Doch ist der Widersacher mit dem Bewusstsein (Wissen), dass dieser nur ein Teil Gottes ist, als Schatten leichter zu integrieren. Der Mensch liebt ja auch seine eigenen Teile, z.B. seine Finger.

Der Mensch als Gott sollte daher den Widersacher wie das gesamte Universum als Teil seiner selbst sehen und lieben.

Mit aller Verantwortung, die daraus folgt.

Wenn der Mensch sich selbst davor fürchtet und die ersten Schritte nicht setzt, kann er nie vollständig und einig mit sich selbst werden. Wem der Gedanke der Gottwerdung des eigenen Selbst vielleicht absurd vorkommt, der möge vorerst damit anfangen, den Widersacher und das gesamte Universum als Teil seines Selbst zu betrachten (wie die Quantenphysik das andeutet) und zu lieben. Das führt sicher zum selben Ergebnis und es könnte der Widersacher dann nicht als Schatten in der Realität erscheinen.

 

Vor einigen Jahren schrieb ich folgende Kurzgeschichte. Was die mit Joseph zu tun hat, will ich im Anschluss daran sagen.

 

Cogito ergo sum oder Brian´s Arsch und die Philosophen

 

„Die höchste Vollendung des Intellekts ist es, über sich selbst hinauszugehen und dadurch zu wissen“, zitierte Brian Plotin und er dachte weiters: „Sokrates´ Untersuchungsmethode war eine des Fragens und Antwortens. Wie James Joyce vermutete, machte Sokrates diese Entdeckung dank seines Weibes Xanthippe als sie ihn fragte, ob er eigentlich jemals nachdachte.“

 

„Was ist Wissen?“ fragte Platon, „ist es eins mit der Sinneswahrnehmung, ist es rein geistig? Nein, denn dann wäre es unmöglich, einen Irrtum zu begehen.“

„Wir sind zu schwach, um mit der bloßen Vernunft die Wahrheit zu finden, die Lösung ist, die intellektuelle Überheblichkeit aufzugeben und den eigenen Willen in Gottes Willen aufgehen zu lassen“, warf Augustinus ein.

 

„Wem auch immer dein Herz anhänget und sich anvertrauet, das ist wirklich dein Gott.“ Mit diesem Wort Luthers wollte Brian auf die Gefährlichkeit des Einwurfes Augustinus´ aufmerksam machen, doch gingen die Worte unter, da in diesem Moment Descartes die Türe öffnete, hereinkam und die Aufmerksamkeit auf sich zog: „Am 10. November 1619 hatte ich einen Traum, der mich davon überzeugte, dass wahres Wissen allein aus der menschlichen Vernunft kommen muss. Weil unsere Sinne uns manchmal täuschen, muss ich annehmen, dass nichts so ist wie es scheint. Woher weiß ich, dass ich hier bei Brian bin? Ich kann nicht gewiss sein. Ich könnte träumen oder einer Sinnestäuschung unterliegen oder ein böser Dämon könnte mich betrügen. Das einzige, woran ich nicht zweifeln kann ist, dass ich etwas denke, selbst wenn ich denke, dass ich träume oder betrogen werde oder denke, dass ich keinen Körper habe. Das ist es! Ich denke, also bin ich! So entschied ich, dass ich das ohne Bedenken als ersten Grundsatz der Philosophie, die ich suchte, ansetzen könne.“

 

Brian dachte, dass Descartes damit beweist, dass nur ich existiere, nicht aber die Außenwelt, doch er traute sich nicht Descartes zu widersprechen, das machte ohnehin soeben Berkeley: „Esse est  percipi, Sein ist wahrgenommen werden, Brian existiert, weil ich ihn wahrnehme. Wenn ich den Raum verlasse, existiert Brian weiter, weil Gott ihn wahrnimmt. Gott nimmt alles wahr, auch unseren wahrnehmenden Geist und stellt so die Existenz sicher.“

„Meine Schwierigkeit ist die, dass die Idee kausaler Verknüpfungen ein Phantasieprodukt ist“, bemerkte Hume, „wie können wir sicher sein, dass zum Beispiel beim Kegelscheiben die Kegel deswegen fallen, weil ich die Kugel scheibe?“ Brian, der Humes Kegelspiel kannte, dachte, dass wir bei dem Können Humes ohnehin nicht sicher sein können, dass die Kegel fallen, er unterließ aber die Bemerkung.

Als Kant nun erklärte, dass für jedermann Raum und Zeit als reine Anschauungen a priori gegeben und absolut sind, den Sinneseindrücken vorausgehend und von ihnen unabhängig, hörte gerade niemand zu.

 Brian dachte, dass man jeden Philosophen so hören sollte, als ob die von ihm gegebene Interpretation durch seine Interpretation zu einem allgemeinen philosophischen Gesetz werden sollte, als Marx sagte: „Unser Materialismus setzt voraus, dass die gesamten natürlichen Lebensbedingungen und die Natur eine gegenständliche Wirklichkeit außerhalb des menschlichen Geistes haben. Der Mensch ist aber ein Teil der Natur. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ Brian schwirrte der Kopf und als wieder die Türe aufging und ein Schwall neuer Philosophen eintrat, Wittgenstein sagte gerade, dass, wovon man nicht sprechen kann, darüber man schweigen muss, reichte es ihm und er gab folgenden Unsinn von sich: „Leckt´s mich alle am Arsch!“

 

Warum das Unsinn war, zeigt uns eine Gegebenheit, die gleichzeitig in Passadena stattfand.

Dort, in einem Labor, entfernte Dr. Jones die Elektroden aus dem in einer Nährlösung liegenden Gehirn, nahm den Streifen aus dem Enzeophalographen, wunderte sich über die „verzweifelten“ Betawellen und nahm sich vor, morgen dem Gehirn Brian 1, die Stromstöße in das limbische System zu schicken.

Brian hatte leider keinen Arsch.

 

Descartes wie Generationen anderer Philosophen suchten nach einem gesicherten Ausgangspunkt für ihre Gedanken. Spätestens nach der Erkenntnis der Relativität der Physik Newtons scheint es so zu sein, dass es diesen gesicherten Ausgangspunkt nicht gibt, was aber ebenfalls ungesichert ist.[8]

 

Wenn „Nichts gesichert“ ist, dann könnte „Alles möglich“ sein. Zumindest alles Denkbare. Darüber hinaus zunächst aber nicht.[9]

 

Systeme für „unsagbar Denkbares“ gab es schon seit Anbeginn der Überlieferungen:

Symbole und Mythen.

Viele der alten Mythen können noch immer „in uns“ etwas auslösen oder bewegen. Da viele alte Sagen in Vergessenheit gerieten oder von der „Illusionsindustrie“ bereits verwendet wurden, werden immer wieder „neue“ Mythen geschaffen, die ebenfalls in vielen Fällen eine Wirkung erreichen (Da-Vinci-Code, Star Wars, Herr der Ringe, Matrix usw.).

 Mythen, sofern sie beim „Konsumenten“ eine Wirkung erzielen, sprechen natürlich dessen Psyche in irgendeiner Weise an. Auch wenn Mythen nicht auf objektiven Wahrheiten beruhen sollten, besitzen sie zweifellos eine Wirklichkeit! C.G. Jung sprach davon, Wirklichkeit ist das was „wirkt“, in diesem Sinne ist die angeführte Wirklichkeit jedenfalls zu verstehen, auch wenn ihr eine „objektive“ Realität fehlen mag. Jeder Mensch verhält sich immer vernünftig, mag seine Vernunft auch einer postulierten „Normalität“ weit entfernt sein. Nebenbei möchte ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass meiner Ansicht nach die Motive menschlicher Taten auch immer „gut“ sind, kein Mensch beabsichtigt Taten mit „bösen“ Folgen, obwohl diese von einer Mehrheit so beurteilt werden können (dass diese Ansicht eine heftige Diskussion auslösen kann, ist mir bewusst).

Es könnte der Begriff eines Gottes entweder eine wissenschaftlich objektiv nachzuweisende Realität oder aber eine Wirklichkeit der Psyche sein. Was der Begriff auch ist, er ist jedenfalls vernünftig und notwendig. Nachdem es ausschließlich die eigene Psyche ist, die einer Erscheinung Wert oder Unwert zuweist, muss die Existenz eines Gottwesens für die Menschheit (oder einem Teil davon) von existenzieller Wichtigkeit gewesen sein und ist es vielleicht auch heute noch.

So enthält zum Beispiel die Paradiesgeschichte im Buch Genesis der Bibel eindeutig eine Wirklichkeit. Ehe der Mensch vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, hatte er im Paradies seine Heimat und starb auch nicht. Solange ein Wesen kein Bewusstsein hat und keine Unterschiede feststellen kann, gibt es für dieses Wesen keine Vergangenheit und keine Zukunft. Und ausschließlich in der Gegenwart zu leben, bedeutet keinen Tod zu kennen.

Das bedeutet aber, dass Moses, oder wer auch immer die Genesis verfasste, hier ein Werk schrieb, das noch immer eindeutig Wirklichkeit beschreibt. Das Erlangen eines Bewusstseins beinhaltet auch die Erkenntnis des Todes.

Wie konnte ein Mensch wie Moses vor so langer Zeit die Wirklichkeit des „Sündenfalls“, die Frucht des Baumes der Erkenntnis erkennen?

Die Intelligenz des Menschen, die Möglichkeit Zusammenhänge zu erfassen, erfuhr in dessen Geschichte keine grundsätzliche Veränderung, aber der Wissensstand wuchs unaufhörlich. Wurde in Mythen eine Wirklichkeit geschildert, war damals der Zugang zu der Wirklichkeit ein anderer. Deutlich erkennbar ist das zum Beispiel bei dem chinesischen Philosophen Dschuang Dsi („Das wahre Buch des südlichen Blütenlandes“), das ohne jegliche Wertung eines Wissens zeitlos ist.

„Sündenfall“ des Menschen, Lukas Cranach

Warum hat der Verfasser der Genesis den Wächter vor dem Paradies im Osten postiert? Warum bewacht der Engel den Zugang aus dem Osten?

Wie später der christliche Glauben, war auch der ägyptische einer an einen „Sonnengott“, jedenfalls ein Glaube an Auferstehung, wie das die Sonne jeden Tag tut. Deshalb ist das Totenland in Ägypten westlich des Nils, dort wo die Sonne untergeht.

Es handelt sich wahrscheinlich um Relikte eines ägyptischen Glaubens. Möglicherweise war ja auch Moses sehr eng mit dem revolutionären Pharao Echnaton verbunden.[10]

Wenn heute ein Mensch das Paradies auf dem Weg von Osten nach Westen erreichen will, steht der Engel mit dem Flammenschwert davor. Das bedeutet, dass es keinem Lebenden (oder Bewussten) gelingt, ins Paradies (zurück) zu kommen. Folgerichtig hat Jesus das Paradies erst erreichen können, als er von den „Toten“ auferstanden war, da kam er ja auch vom Westen (dem Totenland) und da steht kein Engel!

Nun sind wir aber alle bewusste, und bis zu einem gewissen Grad auch aufgeklärte Menschen. Wir sehnen uns auch nach einem „sinnvollen“ Leben, zunächst ohne diesen Sinn zu kennen. Warum boomen alte und neue Mythen, die doch einer Wissenschaft ferne sind?

Ein Leben ohne (begründeten) Glauben an einen sinnvollen Inhalt kann spätestens in der „zweiten Lebenshälfte“ gefährlich werden. Eine vernunftmäßige Ethik könnte Hilfe schaffen, doch haben viele Menschen derzeit noch immer Wesensinhalte (in der Psyche), die einen Rückhalt der Moral in einem Glauben verlangen.

Ich vermute, dass C.G. Jung mit seiner Annahme Recht hat, dass Mythen, die in ihrer Aufgabenstellung noch nicht „erledigt“ sind, immer wieder in neuen und alten Formen „auferstehen“. Ein solcher Mythos ist sicher auch die Gralsgeschichte (wo ein in früheren Zeiten immer getöteter Vaterkönig noch immer auf die Heilung seiner Wunde wartet, eine menschliche „Auflösung“ des „Ödipus-Komplexes“). Aber auch die Annahme eines Gottes wäre ein Mythos. Während früher die Sehnsucht nach einem rächenden Gott vorherrschte (die noch immer oftmals herbeigesehnte „starke Hand“ in der Politik), ist im Christentum die Entwicklung zur Gottwerdung des Menschen selbst beabsichtigt[11], auch wenn das von machtbewussten Religionen nicht deutlich erwähnt wird. Schon die christlichen Mystiker des Mittelalters[12] (Johannes vom Kreuz) sprachen von einer Gottwerdung durch Teilhabe, also durch Gleichgestaltung mit Gott. Seltsamerweise ist aber eine solche Entwicklung des Menschen nicht erkennbar. (Meiner Meinung nach handelt es sich auch beim Gott des „Alten Testamentes“ um einen „liebenden Gott“, was ich im Buch „Elihu“ näher ausführte).

Nochmals möchte ich auf die Wichtigkeit von Erkenntnissen aus der Quantenphysik hinweisen: Eine mögliche Folge aus der „Debatte um die Quantentheorie“ aus dem Jahre 1983 war die, dass „die Welt nicht in separierbare Elemente der Realität zerlegt werden kann“.[13] Dass diese Erklärung aus der Quantenphysik eine richtige sein könnte, bewies Alain Aspect mit einem Versuch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Über dieses Experiment wurde weiter oben bereits berichtet. Ein Erinnern daran ist für das im Folgenden angeführte zum Nutzen.

Mit der Annahme der untrennbaren Gesamtheit des Universums taucht die Frage auf, welche Stellung hier der Mensch, oder das Bewusstsein des Menschen haben könnte. Schließlich waren die „Teile“ des Menschen ja auch einmal mit anderen Teilen verbunden oder „eins“. Unterschiede zu Aspects Teilchen gibt es grundsätzlich nicht. Da sollte unsere Phantasie die ungehörige Strapaze auf sich nehmen, zurück zu einem möglichen „Anfang“ des Universums zu blicken. Möglicherweise war dies der „Urknall“.

Jetzt kommt die erste Anforderung an unsere Vorstellungskraft: Es gibt nichts, was vor dem Urknall gewesen sein könnte.

Erst mit dem Urknall bildeten sich Räume und Zeiten, ein „Vorher“ ist daher nicht möglich. Wenn ich hier zur Verdeutlichung eine Vorstellung anführe, die „vor“ dem Urknall gewesen ist, dann bezieht sich das auf eine mögliche „ewige“ Gegenwart „bis“ zum Zeitpunkt des Urknalls.

 Sollte es einen Urknall gegeben haben, war die Grundlage unseres Universums in dem enthalten, das „vor“ dem Urknall gewesen war. Es gab natürlich keinen Raum und keine Zeit, trotzdem ist es unmöglich, dass die Voraussetzung zur Entstehung z.B. der Materie damals nicht in irgendeiner Art „bestand“ (ohne Ausdehnung und Lebensdauer). Woher käme sonst z.B. die Materie, wenn es sich um ein geschlossenes System handelt.

Natürlich könnte man hier einen „Schöpfer“ (Kreationismus) annehmen, doch würden damit Schwierigkeiten nur „nach hinten“ verschoben (sollte es aber tatsächlich einen Schöpfer hier an dieser Stelle geben, wäre dies natürlich eine ausreichende Erklärung für den Glauben an einen Gott, allerdings keine, woher dieser Gott kam). Jedenfalls müssen „zum Zeitpunkt des Urknalls“ sämtliche Erfordernisse zu einer weiteren Entwicklung des Universums bestanden haben (es ist spätestens ab da ein geschlossenes System) und „vorher“ müssen alle Erfordernisse ebenso bestanden haben (ohne Raum und Zeit!). Daher war „Alles eins und das Nichts alles“ (eine buddhistische Lehre). Alle Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung waren vorhanden. Alles, was sich der Mensch ausdenken kann, hat seine Grundlage darinnen. Doch kann sich der Mensch auch Dinge ausdenken, die nicht einer Realität entsprechen (z.B. ein Feuer speiender Drache, das „Beamen“ von Materie oder auch Gott). Woher kommen solche Vorstellungen?

Solche Vorstellungen wären unmöglich, wenn sie nicht in den Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung enthalten gewesen waren, woher kämen sie sonst? Wenn solche Erscheinungen gedacht werden können, entsprechen sie aber unbedingt einer „Wirklichkeit“ (im Sinne C.G. Jung). Über Wirklichkeiten, die scheinbar für uns Beobachter (oder einige von uns) keine Realität erreichen, werde ich an anderer Stelle irgendwann weitere Ausführungen nachreichen.

In der Wissenschaft kommt man zu Erkenntnissen, die eine Untrennbarkeit des Universums nahe legt. Aus dem Grund, da „man“ das sucht? Handelt es sich dabei auch um eine psychische Wirklichkeit? Eine, die Moses im Paradies suchte und der Physiker in der Quantenphysik? Ist der Unterschied in den untersuchten Medien nur ein zeitbedingter? Jede Entdeckung, jede Interpretation der Wirklichkeit (auch die der Evolution des Universums und unserer selbst) wird von der menschlichen Psyche in die Wege geleitet und kommentiert. Retrospektiv hat unsere eigene Psyche unsere Entwicklung determiniert.

Jeder Mensch verhält sich so, dass sein Äußeres mit seinem Inneren größtmögliche Übereinstimmung hat. Aus diesem Grund erreichen Erscheinungen bei einem Menschen Wichtigkeit, bei einem anderen vielleicht nicht. Grundlage der Beurteilung der Wichtigkeit ist der momentane psychische Zustand des Beobachters. Es war also die Psyche der Menschen, die zum Beispiel die Bibelbücher schrieb (oder auch die der Personen, die diese kanonisierten). Sollten diese oder andere „Mythen“ für jemanden Wichtigkeit erlangen, ist es die Psyche, die berührt wurde und den Wert feststellt. Die Möglichkeit zur Entwicklung einer Psyche war zum Zeitpunkt des Urknalls ebenfalls gegeben.

Die Gottwerdung des Menschen ist also eine psychische Wirklichkeit!

Warum nimmt man sich ihrer nicht an?

Gott ist nicht etwas, das wir irgendwo anbeten oder bewundern oder auch ignorieren, Gott hat Auswirkungen ins alltägliche Leben hinein: Wenn wir Menschen unsere Mythen nicht wichtig und ernst nehmen, werden wir immer wieder andere Symbole entdecken, die uns immer wieder dieselben Inhalte anbieten (C.G. Jung, z.B. über UFO, oder auch die Erkenntnisse der Quantenmechanik selbst).

Welche Folgen hätte nun das Annehmen der Gottwerdung? Da erscheint es grundlegend wichtig, dass jede Erscheinung des Universums mit dem Beobachter (dessen Psyche) untrennbar zusammenhängt. So erhält das denkende und erkennende Wesen (bewusste Wesen) die unbedingte Verantwortung für das gesamte Universum, es ist mit ihm eins![14]

Gott zu sein bedeutet in erster Linie Verantwortung zu tragen!

Universum – C. Flammarion, Holzschnitt, Paris 1888, Kolorit: Heikenwaelder Hugo, Wien 1998
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Es scheint so zu sein, dass wir mit dem derzeitigen „Anbeten“ toter Materie (in der „westlichen“ Zivilisation) Gott, der wir selbst seit Anbeginn sind, ebenfalls töten. Wenn wir annehmen, selbst Gott zu sein, gäbe uns dieser Hintergrund die Kraft, das Universum so zu gestalten, wie es für alle Erscheinungen lebensgerecht, menschengerecht, gottesgerecht wäre.

Gott ist jedenfalls etwas, das dem Bewusstsein (hoffentlich dem des Menschen) noch bevorsteht, trotzdem er selbst natürlich auch der Schöpfer bleibt, so widersprüchlich das auch erscheint.

Gustav Meyrink schrieb einmal in der Einleitung zu einem Roman: [15]

 

„Herr X oder Herr Y hat einen Roman geschrieben“ – was heißt das?

 Nun, sehr einfach: „Er hat mit Hilfe seiner Phantasie Personen geschildert, die in Wirklichkeit nicht existieren, hat ihnen Erlebnisse angedichtet und sie miteinander verwoben.“ – So ungefähr lautet, weitläufig gefasst, das allgemeine Urteil.

Was Phantasie ist, glaubt jedermann zu wissen, dass es aber höchst merkwürdige Kategorien der Einbildungskraft gibt, ahnen nur sehr wenige.

Was soll man sagen, wenn zum Beispiel die Hand, dieses scheinbar so willfährige Werkzeug des Gehirns, sich plötzlich weigert, den Namen des Helden der Geschichte niederzuschreiben, den man sich ausgedacht hat, und statt seiner hartnäckig einen anderen wählt? Muss man da nicht unwillkürlich stutzig werden und sich fragen: „Schaffe“ ich tatsächlich oder – ist meine Einbildungskraft am Ende nur eine Art magischer Empfangsapparat? Etwa das, was auf dem Gebiet der drahtlosen Telegraphie eine Antenne genannt wird?

Es hat Fälle gegeben, dass Menschen nachts im Schlaf aufstanden und schriftliche Arbeiten, die sie abends, übermüdet von den Anstrengungen des Tages, unfertig hatten liegen lassen, vollendeten und Aufgaben besser lösten, als sie es im Wachsein vermutlich imstande gewesen wären.

Dergleichen liebt man mit den Worten zu erklären: „Das für gewöhnlich schlummernde Unterbewusstsein ist zu Hilfe gekommen.“

Geschieht so etwas in Lourdes, so heißt es: „Die Mutter Gottes hat geholfen.“

Wer weiß, vielleicht sind Unterbewusstsein und die Mutter Gottes ein und dasselbe.

 

Nicht, als ob die Mutter Gottes nur das Unterbewusstsein wäre, nein, das Unterbewusstsein ist die ‚Mutter‘ – ‚Gottes‘.“

 

 



[1] The Holy Gral, 1994 Labyrinth Publishing UK Ltd.

[2] Original im Rascher-Verlag Zürich 1960 erschienen (mit Neuauflagen z.B. Walter Verlag 1980 und Patmos Verlag 2001).

[3] In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts arbeitete Aspect gemeinsam mit Jean Dalibard und Gérard Roger an einer experimentellen Überprüfung des EPR-Effektes (Einstein-Podolsky-Rosen). Sie konnten dabei nachweisen, dass die Bellschen Ungleichungen bei Messungen an verschränkten Photonen verletzt werden. Dies entspricht einer Bestätigung der spukhaften Fernwirkung, die von Einstein als Argument gegen Bohrs Deutung der Quantentheorie 1935 vorgebracht worden war.
Aspect arbeitet am Forschungslaboratorium Charles Fabry des Institut d'Optique in Orsay. Gleichzeitig ist er Professor an der École polytechnique.
Experimental Realization of Einstein-Podolsky-Rosen-Bohm Gedankenexperiment: A New Violation of Bell's Inequalities, A. Aspect, P. Grangier, and G. Roger, Physical Review Letters, Vol. 49, Iss. 2, pp.91-94 (1982)
Experimental Test of Bell's Inequalities Using Time-Varying Analyzers, A. Aspect, J. Dalibard and G. Roger, Physical Review Letters, Vol. 49, Iss. 25, pp. 1804-1807 (1982)
(Quelle: Wikipedia)

 

[4] Zur Demut: Gandhi soll einmal zu Einstein gesagt haben: „Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“

 

[5] Ereignisstrahl, eine Anlehnung an die „Viele-Welten-Interpretation“ der Quantenmechanik, die besagt, dass die Welt sich bei Beobachtungen in mehrere parallele Welten aufspaltet.

Eine Konsequenz nach „Schrödingers -Katzenparadoxon“

[6] C.G. Jung: „Antwort auf Hiob“

[7]  „ . . . der Mensch entstehet aus Morast, und watet eine Weile im Morast, und macht Morast, bis er zuletzt an den Schuhen seines Urenkels unflätig anklebt. Das ist das Ende vom Lied - der morastische Zirkel der menschlichen Bestimmung“ (Schiller: „Die Räuber“, 4. Akt, 2. Szene).

 

[8] George Berkeley (1685 – 1753) schuf ein „närrisches System“ (laut Diderot 1713 - 1784), in dem nur Geister und Ideen als existierend anerkannt werden, ohne die Naturordnung in Frage zu stellen.

[9] Vergleichbar mit dem Weltall. Außerhalb des Denkbaren gibt es nichts. Doch die Grenzen erweitern sich andauernd.

[10] siehe z.B. Sigmund Freud: „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“ und Jan Assmann: „Moses der Ägypter“

[11] Buchtipp: C.G. Jung: „Antwort auf Hiob“

[12] Johannes von Kreuz,  *1542  †1591

[13] Franco Selleri: „Debatte um die Quantentheorie“ ISBN 3-528-08518-5, Seite 105

[14] Nochmals das Zitat, das Mahatma Gandhi einmal zu Einstein gesagt haben soll, als dieser die Bedeutung des indischen Grußes „Namaste“(ich verbeuge mich vor dir) hinterfragte: „Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“

[15] Gustav Meyrink: „Der weiße Dominikaner - Aus dem Tagebuch eines Unsichtbaren“