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Vorwort und Prolog
in
„Joseph – Der Weg zum Graal“
von Wolfgang Wallner-F.
Die
Graalserzählung weist wohl viele Faszinationen auf, denen man schon in Märchen
und Sagen begegnete. Darüber hinaus aber übt sie auf den Menschen zumindest
seit Ende des ersten Jahrtausends eine unglaubliche „Be-Geisterung“ aus, die
darauf hinweist, hier ist ein noch nicht integrierter Archetypus höchst
wirksam, der für die menschliche Seele die Chance einer Individuation bieten
könnte.
Wie es möglich ist, den Graal heute „wirklich“ zu finden, zeigen die Abenteuer, die Joseph in einer „zauberhaften“ Welt erlebt.
„Wirklich“ ist dabei im Sinne C.G. Jungs zu verstehen, der einmal sagte: „Wirklichkeit ist das, was wirkt!“ Es ist auch ein Weg zur Gottwerdung des Menschen, die eine dringende Notwendigkeit darstellt.
„Joseph – Der Weg zum Graal“ ist eine Geschichte, die der Phantasie entsprang.
Eine abenteuerliche, vielleicht auch turbulente Reise durch Zeiten, ja sogar zum Ursprung der Welt selbst. Grundlagen dieser Phantasie sind in der Graalslegende selbst zu suchen und darin, dass Parcival den Graal letztendlich in den Himmel mitnahm.
Auf der Erde fehlt er seitdem wieder!
Was Joseph die Möglichkeit gibt, die Suche nach dem Graal wieder aufzunehmen, basiert auf Erkenntnisse, die Religionen, Philosophien, Psychologien und auch die Quantenmechanik eröffnen. Wodurch diese Möglichkeit entsteht, kann ein interessierter Leser am Ende des Buches nachschlagen oder dort sich weitere Anregungen holen. Für das Lesevergnügen und das Verständnis des Buches ist das nicht unbedingt erforderlich.
Die Geschichte beginnt nach altem Muster mit einem Prolog und endet mit dem Epilog. Als Prolog wurde ein Gottesbeweis des Anselm von Canterbury (1033-1109) gewählt, der aber ausschließlich symbolisch als Hinweis auf das Bestreben der Menschheit nach einer gesicherten Gottesexistenz und nicht als Voraussetzung für dieses Buch ausgesucht wurde. Wer will, kann also durchaus auch gleich bei „Wie alles begann“ zu lesen anfangen.
Die Predigt im Kapitel „Das Romanische Tor“ stammt von Meister Eckhart (* um 1260, † 1327)
Aus diesem Hintergrund heraus entstand „Joseph - Der Weg zum Graal“.
Es wurde versucht, alles zu erzählen.
Von allem Anfang an.
Alles, das zur Vollständigkeit beitragen und alles, von dem es als möglich
betrachtet werden kann, dass es einmal in einem anderen Zusammenhang gesehen
wird.
Wolfgang Wallner-F.
Prolog
Und
zwar glauben wir, dass du etwas bist, über das hinaus nichts Größeres gedacht
werden kann
Oder existiert etwa demnach ein solches Wesen nicht, weil der Tor in seinem
Herzen sprach: Es existiert kein Gott? Aber gerade auch der Tor, wenn er eben
das vernimmt, was ich aussage als etwas, über das hinaus nichts Größeres
gedacht werden kann, versteht gewiss das, was er vernimmt; und was er versteht,
ist in seinem Verstande auch wenn er nicht versteht, dass es existiert.
Denn es ist eines, dass etwas im Verstande ist, ein anderes, zu verstehen, dass
etwas existiert. Wenn nämlich ein Maler zuvor denkt, was er zu schaffen
beabsichtigt, hat er zwar im Verstande, versteht aber noch nicht, dass
existiert, was er noch nicht geschaffen hat. Wenn er aber bereits gemalt hat,
hat er sowohl im Verstande als er auch versteht, dass existiert, was er bereits
geschaffen hat.
Also sieht auch der Tor als erwiesen an, dass etwas, über das hinaus nichts
Größeres gedacht werden kann, zumindest im Verstande ist, weil er das, wenn er
es vernimmt, versteht und weil alles, was verstanden wird, im Verstande ist.
Und gewiss kann das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht
allein im Verstande sein.
Denn wenn es auch nur allein im Verstande ist, kann gedacht werden, dass es
auch in Wirklichkeit existiert, was größer ist.
Wenn also das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, allein im
Verstande ist, ist eben das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden
kann, eines, über das hinaus Größeres gedacht werden kann.
Das aber ist doch unmöglich der Fall.
Es existiert also ohne Zweifel etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht
werden kann, sowohl im Verstande als auch in Wirklichkeit.
Dass
sein Nicht-Sein nicht gedacht werden kann
Das existiert
schlechterdings so wahrhaft, dass sein Nicht-Sein nicht einmal gedacht werden
kann. Denn es kann gedacht werden, dass etwas existiert, dessen Nicht-Sein
nicht gedacht werden kann, was ein Größeres ist als das, dessen Nicht-Sein
gedacht werden kann. Wenn daher das, über das hinaus Größeres nicht gedacht
werden kann, als nicht-existierend gedacht werden kann, ist eben das, über das
hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht das, über das hinaus Größeres
nicht gedacht werden kann, was sich nicht miteinander vereinbaren lässt. So
wahrhaft existiert also etwas, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden
kann, dass sein Nicht-Sein nicht einmal gedacht werden kann.
Und das bist du, Herr, unser Gott. So wahrhaft existierst du also, Herr, mein
Gott, dass dein Nicht-Sein nicht einmal gedacht werden kann. Und das mit Recht.
Wenn nämlich ein Geist etwas Besseres als dich denken könnte, erhöhte sich das
Geschöpf über den Schöpfer und urteilte über den Schöpfer, was gänzlich
widersinnig wäre.
Allerdings kann einzig mit Ausnahme von dir alles, was sonst noch existiert,
als nicht-existierend gedacht werden. Du allein besitzt somit am wahrhaftigsten
von allem und deshalb am meisten von allem Existenz, weil alles, was sonst noch
existiert, nicht so wahrhaft und deswegen in geringerem Maße Existenz besitzt.
Warum also sprach der Tor in seinem Herzen: Es existiert kein Gott, wo es doch
für den vernünftigen Geist so sehr auf der Hand liegt, dass du am meisten von
allem existierst? Warum, wenn nicht deshalb, weil er dumm und töricht ist?
Wie
sprach der Tor im Herzen, was nicht gedacht werden kann
Wie aber sprach er im
Herzen, was er nicht hat denken können; oder wie hat er nicht denken können,
was er im Herzen sprach, wo doch im Herzen sprechen und denken dasselbe
bedeuten?
Wenn er es wahrhaft, vielmehr weil er es wahrhaft sowohl dachte, da er es im
Herzen sprach, als auch nicht im Herzen sprach, da er es nicht hat denken
können, so wird nicht nur auf eine einzige Weise etwas im Herzen gesprochen
oder gedacht. Es wird nämlich etwas auf eine Weise gedacht, wenn das
Lautgebilde, das es bezeichnet, gedacht wird, auf eine andere Weise aber, wenn
eben das, was etwas ist, verstanden wird. Auf jene Weise kann daher Gottes
Nicht-Sein gedacht werden, auf diese jedoch keineswegs. Denn niemand, der das,
was Gott ist, versteht, kann denken, dass Gott nicht existiert, mag er auch
ohne jede oder mit einer fremden Bedeutung diese Worte im Herzen sprechen. Gott
ist nämlich das, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann. Wer das
treffend versteht, versteht durchaus, dass eben dies so existiert, dass es
nicht einmal dem Denken nach nicht existieren kann. Wer also versteht, dass
Gott derart existiert, kann ihn nicht als nicht-existierend denken.
Anselm
von Canterbury
(1033-1109)
Proslogion (Übersetzung: Burkhard Mojsisch)
(Als Prolog wurde ein Gottesbeweis des Anselm von Canterbury (1033-1109) gewählt, der aber ausschließlich symbolisch als Hinweis auf das Bestreben der Menschheit nach einer gesicherten Gottesexistenz und nicht als Voraussetzung für dieses Buch ausgesucht wurde. Wer will, kann also durchaus auch gleich bei „Wie alles begann“ zu lesen anfangen.)