Joseph
Der Weg zum Graal
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Leseproben
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Aus: Wie alles begann

 
An der schäbigen Mauer zwischen den beiden Türen hing ein Plakat.
 
Ich versuchte Regen und Wind zum Trotz die herunter hängende, nasse Ecke anzuheben.
Sofort fing sich der Wind in den Enden und Flächen des Papiers, wie er das bei einem Segel tun würde. Im schlechten Licht dieses späten Abends konnte ich das Geschriebene ohnehin nicht entziffern. Der Blechschirm der Straßenlaterne hatte auch mehr Lust im Wind zu klappern, als Licht zu geben.
 
Kein Mensch weit und breit zu sehen.
Nur eine Statue nahe der linken Türe entsprach etwa dem Bild eines menschlichen Wesens. Ein Mann mit einem Stelzfuß saß da auf einem Bündel Gladiolen vor einer Art Spiegel, scheinbar damit beschäftigt, einen Holzstock mit einem kleinen Messer zu glätten.
 
War das ein Wohnhaus?
Ein Gasthaus?
Einladend sah es ja nicht aus mit seiner farblosen Mauer, deren Verputz dem des Viertels durchaus entsprach.
Links und rechts keine Fenster, auch oben nichts. Das konnte kein Gasthaus sein.
Das Wetter hatte mich gedrängt, einen Platz zu suchen, der mir Schutz geben könnte. Deshalb war ich in diese Gegend geraten, die ich vorher nie gesehen hatte.
Dieses Haus konnte mir sicher auch nicht die Wärme bieten, die mir an diesem Abend fehlte.
 
Ich nahm das nasse Plakat herunter, ließ es abtropfen und strich es so glatt und trocken wie möglich. Was darauf stand, konnte ich hier nicht lesen, also faltete ich es und steckte es ein.
 
Die linke Tür konnte ich nicht öffnen, fand auch keine Schnalle. Auf der Türe waren Reste einer Bemalung zu erahnen.
Ein Hirsch?
Wozu?
 
Rechts?
Wollte ich da hinein?
Was sollte ich sonst tun?
Besser trocken als Regen.
Vielleicht konnte ich innen irgendwo ausruhen um  dann erneut zu versuchen, bei diesem Wetter wieder nach Hause zu kommen.
 
Also rechts.
 
Auch diese Türe war bemalt. Allerdings war das Einhorn, das dort abgebildet war, gut erhalten. Wahrscheinlich eine neuere Verzierung.
Ich musste mich ziemlich dagegen stemmen, bis die Pforte nachgab.
 
Drinnen war es finster.
 
Da aber die Türe sicher schon lange nicht geöffnet war, fiel sie auch nicht gleich zurück in ihren Rahmen. Ich konnte am Ende eines Ganges eine zweite Türe sehen.
Die erreichte ich auch noch, bevor das Licht der Straße keinen Eingang mehr fand.
Die zweite Türe war leicht zu öffnen.
Ich betrat einen ziemlich großen Raum beschienen von einem diffusen, indirekten Licht, so dass ich im Raum Sesselreihen sah.
Der Raum hatte die Form eines Halbkreises.
Vielleicht war er auch ein kompletter Kreis, der in der Mitte durch einen Spiegel auf einem Podest geteilt war?
 
Ein alter, verlassener Versammlungssaal?
Ein Kino?
Ein Theater?
 
Eher ein Theater!
Wenn das da vorne eine Bühne sein sollte, dann war die Bühne vom Zuseherraum durch einen einzigen Spiegel abgetrennt. An manchen Stellen blind, verstaubt, aber ein Spiegel.
Der Spiegel taugte noch einigermaßen für seine Bestimmung, sah ich, als ich mich in die erste Reihe setzte. Natürlich war kein anderer Mensch im Spiegel zu sehen. Ich war dort alleine.
Sehen konnte ich im Spiegel aber Licht, obwohl ich dessen Quellen nicht ausmachen konnte.
 
Es war immerhin trocken hier.
Bei dieser Beleuchtung war vielleicht sogar das Plakat zu lesen. Möglicherweise eine alte Ankündigung einer Vorführung, die hier einmal gegeben wurde?
Längst vergessen und längst vorbei!
Nicht wichtig genug, um zu bestehen.
Ein seltsames Plakat.
Als Bild sah ich einen Spiegel.
Denselben Spiegel, der hier die Bühne begrenzte?
Der Spiegel war aber zum Unterschied zu dem vor mir in der Mitte etwas durchscheinend. Wenn es ein „Dahinter“ gab, war es nicht zu erkennen. Nur dass der Spiegel eben dort eine Öffnung zu haben schien, soweit man bei einem Spiegel von einer Öffnung sprechen kann . . . .


 
 Aus: Axis Mundi


„Halt ein wenig ein in deiner Eile“ rief Luzifer.
„Wo bin ich eigentlich?“ fragte Joseph, „was für ein merkwürdiger Ort!“
 
„Es ist dies Axis Mundi, der Nabel der Welt. Der Ort, an dem Himmel und Erde miteinander und mit der Gegenwelt verbunden sind. Es ist die Schwelle zwischen den Welten, eigentlich eine Quelle von Fruchtbarkeit, Überfluss und Leben!“
„Fruchtbarkeit? Überfluss? Leben? Das ist doch eine Wüste! Diese verdorrte Blume bedeutet Leben?“ zweifelte Joseph.
 
„Du wirst das schon einmal erkennen können, wenn du deinen Weg gehst! Es ist tatsächlich der Punkt, von dem alle Himmelsrichtungen ausgehen, alle Dimensionen der Zeit, daher eine Quelle des Lebens, der Jungbrunnen!
Hier geschieht alles gleichzeitig. Du kannst noch nicht erkennen, dass dies deine eigentliche Heimat ist, dass du selbst es bist, der an der Dürre Schuld hat!“ versuchte Luzifer zu erklären.
 
„Du bist ja eine Frau!“ Joseph war durch Luzifers Äußeres von den Worten abgelenkt.
„Eigentlich ein Weib, oder so ähnlich! Ich sagte schon, ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war, ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar. Aber ich muss dir noch etwas auf deinem Weg mitgeben. Nimm das Schwert aus der Tasche!“
 
„Welches Schwert“ versuchte sich Joseph zu erinnern, fand es aber tatsächlich in seiner Tasche.
„Das Schwert ist zerbrochen. Du hast es einmal falsch verwendet.
Nur einseitig benützt.
Nämlich mit deinem Wissen. Dadurch wurde der Fischerkönig verletzt, ist ohnmächtig. Und daher diese Dürre im Zentrum der Welt!“ Luzifer deutete auf die dürre Blume.
 
Joseph sah verständnislos auf die Wüste.
„Die zweite Hälfte des Schwertes findet man in der Nähe der Trennung vom Leben.
Die Figuren, die dir auf deinem Weg erscheinen werden und dir den Weg weisen, kenne ich wohl. Es sind dieselben, die versuchen, alle Menschen zu lenken“, erklärte Luzifer weiter.
„Es geht um eine Angelegenheit, die manche Menschen die Suche nach dem Graal nennen. Und um eine Frage, die das Unbewusste beenden kann! Einige haben den Graal schon gefunden, doch sind die alle in den Himmel geflohen und haben davon nicht gesprochen.
Wirst du davon sprechen können?“
 
Joseph schaute abwesend zu Luzifer: „Ich werde an der Spitze der Welt stehen! Ich bin!“
„Dein Weg wird dich unweigerlich zum Graal führen, du bist zum Graal berufen“, drängte Luzifer. Und zu sich selbst: „Wie alle!“ . . .



Aus: Intermezzo

 
. . .  Verdutzt sah Joseph sich um. Es war später Abend.
Er befand sich auf einer belebten Strasse. Und lag dort in verdreckten Kleidern vor einem Schaufenster mit Sexartikeln.
Eine betrunkene Obdachlose in einem merkwürdigen, rot-gelben Kleid lag neben ihm und nuckelte an einer schon mehrmals geleerten Flasche.

„Es bespringt der Bulle nicht mehr die Kuh
und nicht der Esel die Eselin.
Noch beschläft auf der Straße der Mann
das Mädchen,
sondern der Mann legt sich nieder in seiner Kammer
und die Frau liegt auf ihrer Seite.“
 
Das waren wirklich Worte der Betrunkenen die er da hörte.
„Was sagst du da“, fragte Joseph.
„Hast du noch was?“, war die Antwort.
Joseph griff in seine Hosentasche. Einige Münzen konnte er da spüren: „Was willst du?“
„Ist doch egal . . . alalalla“, plapperte sie vor sich hin. Sie hob die leere Flasche hoch in Richtung Schaufenster:
„Gerühmt werde die Herrin der Weiber!
Sie, die mit schwellender Kraft und Liebreiz angetan, hat Fruchtbarkeit der Fülle, verführerischen Reiz und Üppigkeit. Honigsüß ist sie an ihren Lippen, Leben ist ihr Mund. Prächtig ist sie, schön sind ihre Farben!“
 
Joseph sah sich peinlich berührt um. Nur ein Geschäftsmann schüttelte im Vorbeigehen klug seinen Kopf in gerechter Abneigung.
Sonst hörte scheinbar niemand den Ausbruch der Pennerin.
Joseph putze den ärgsten Schmutz an seinen Kleidern ab und ging auf die andere Straßenseite.
Von dort beobachtete er, wie die Betrunkene ihr Kinn auf den Mauervorsprung unterhalb des Schaufensters legte und den weiblichen Schaufensterpuppen mit der Flasche zuprostete. Es begann zu regnen.
 
Über dem Sexladen war ein Schild.
Darauf stand:
 
Femina!
Top of the world!
 
Spitze der Welt?
Ein Hinweis?
 
Joseph überquerte wieder die Straße.
„Komm mit“, sagte er zu der Frau.
Sie stand tatsächlich auf und hängte sich bei ihm ein.
„Wohin gehen wir, schöner Mann?“
„Mmmh. Werden sehen!“
 
Er lenkte ihren Weg in unbelebtere Gassen um kein Aufsehen zu erregen.
Als sie in eine leere Gasse mit alten, grauen Häusern einbogen, sah er am Ende dieser Sackgasse eine Türe, aus der Licht schien.
Joseph öffnete die Türe. Der Geruch nach Bier und Speisen drang in die nasse Dunkelheit.
Direkt an der Theke neben einer Vitrine mit Salzbrezeln und Schokolade lehnte ein Mann, ein Glas Bier in der Hand.
„Hmm", grunzte der Wirt fragend, als er versuchte, mit einem Tuch die Kratzer und Ränder am Tisch, zu dem sie sich setzten, abzuwischen und ohne etwas von sich zu geben, was in Joseph den Eindruck vermitteln könnte, sie seien hier diejenigen, deren Wünsche erfüllenswert wären, stellte er die verlangte Menge Wein fast genau auf schon vorhandene Glasränder am Tisch.
Immerhin war es hier trocken und die Frau verhielt sich ruhig. In diesem Gasthaus fiel auch ihrer beider Aussehen nicht auf.




Aus: Die zweite Predigt
 

Auch Joseph sah Luzifer auf der Kanzel, doch war es ein Traum.  
Luzifer hob beschwörend seine Arme: „Vielleicht sagte ich euch manchmal, wenn du deinen Nächsten lieben willst wie dich selbst, musst du deinen Taten gegenüber Toleranz erweisen!
Du kennst nämlich deiner Taten Grund, einen solchen wird auch dein Nächster für seine Taten vorweisen können.
Deine Handlung wird Böses nicht zeugen wollen, wie es auch dein Nächster nicht wollte.
Du musst ihn  also dafür nicht hassen, auch wenn es sich weist, dass die Früchte der Taten faul waren.
Auch die Früchte deiner Taten können Fäulnis erregen und du wirst dich im Angedenk der Gründe dafür nicht hassen.
 
Ich sagte euch manchmal, dies wäre der erste Schritt, um den Nächsten zu lieben.
 
Nun aber sage ich euch weiters, die Liebe ist immer und überall!
Nur wenn ihr euch schuldig fühlt, seid ihr außerhalb der Liebe.
Doch ich sage euch, weder Gott würde euch schuldig sprechen, noch eure Seele, denn diese ist Gott.
Das macht nur euer Denken!
Nur der Mensch selbst!
Und er spricht sich deshalb schuldig, da er nicht erkennt, ein Teil der Gesamtheit zu sein.
Würde er die Gesamtheit erkennen, fände er sein eigenes Wesen darin gebettet, seine eigene Aufgabe, seine Verantwortung erkennen und danach handeln!
 
Doch sich selbst von der Schuld freizusprechen ist größter Akt der Demut. Denn spricht man sich frei, ist man zur Besserung bereit, bereit die Selbstsucht zu vergessen. Man legt die Ichbezogenheit ab und überlässt sich der Führung der eigenen Seele, wird also zu Gott!
 
Woran aber erkennt man, dass man sich noch nicht vergeben hat?
Ich sage euch, ihr könnt es daran erkennen, wenn ihr immer in Vergangenheit oder Zukunft lebt.
 
Sprach nicht Jesus: ‚Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.’
 
Wenn ihr immer in der Zukunft oder Vergangenheit lebt und denkt, könnt ihr die Gegenwart nicht einmal erkennen.
Doch alles was euch zutrifft, ist Gegenwart! 
Ihr könnt euren Nächsten nicht einmal erkennen, denn er handelt in der Gegenwart!
 
Wie sollt ihr euren Nächsten aber lieben, wie sollt ihr ihm in der Zukunft begegnen, wenn diese die Begegnung bereits in eurer Erinnerung veränderte?
 
Vergibst du dir deine Schuld, lebst du in der Gegenwart, lebst spontan!
Ich sage euch, das größte Opfer ist die eigene Vergebung! Sie stellt dich selbst hintan, sie steht dir keine Tröstung und Begründung zu, einfach Verzeihung!
 
Dann aber lebt ihr in der Gegenwart, wo sich alle Zeiten und Räume vereinen!
 
Sich selbst verzeihen ist Nächstenliebe!
Vergibst du dir das eigene Leid, dann liebst du den Nächsten mehr als dich selbst, die Frucht größter Demut!
Ein Wesen, das in der Gegenwart lebt, hat keine Angst vor dem Tod. Menschen, die sich selbst verzeihen, leben im vollen Bewusstsein in der Gegenwart, sie sind im Paradies!
 
Nun werden manche von euch fragen, wie kann ich mich von meiner Schuld freisprechen?
 
Ich sage dazu, es gibt jene, die bereits vor dem Tor zum Paradies stehen, die machen es schon!
Die haben meine Worte nicht nötig!
 
Und es gibt welche, die ein Rezept dafür haben wollen. Denen sage ich, ihr werdet ungeheuren Schaden damit anrichten, wenn ihr einfach Zutaten mischt und einen Kuchen erwartet. Wenn ich solchen ein Rezept gebe, wird es Unglück über sie und die anderen Menschen bringen, zuerst müssten sie lernen, auf die eigene Seele zu hören!
 
Und es gibt noch diese, die sich ohnehin schon auf dem richtigen Platz auf ihrem Weg befinden. Nur an die sind meine Ratschläge gerichtet. Vielleicht erfahren sie Mut dadurch, können ihren Platz erkennen.
Vergesst das nie, nur und ausschließlich für diese!
 
Der Mensch soll sein wie eine Feder im Wind. Er vermag nichts.
Wenn es seine Seele nicht will, kann er nicht einmal den kleinen Finger heben!
Des Menschen Wille soll sein Himmelreich sein! Dazu muss aber der Wille seiner Seele dienen.
Die Seele aber ist ein Teil Gottes und sogar Gott selbst. Sie berücksichtigt Details des Universums, die ihr Menschen nicht einmal ahnen könnt. Ist sie doch das Universum selbst. Wenn der Mensch dem Willen seiner Seele folgt, ist er im Himmelsreich!
 
Jetzt fragen manche unter euch, wie höre ich auf meine Seele?
Stellt euch die Seele vor wie ein Prisma, das von einer Seite vom Licht beschienen ist. Das Licht wird vom Prisma in alle Farben des Regenbogens zerteilt oder wieder zusammengeführt. Diese Farben des Regenbogens sind die Aufspaltungen Gottes, damit ihr wenigstens einen Teil von ihm sehen könnt. Es ist das Licht, das aus euch selbst leuchtet.
. . .
 


Aus: Durchs Totenland
 

. . .  „Särchen?“, rief Joseph verwundert.
Geschickt schwang sich Särchen auf das galoppierende Pferd, das seine Geschwindigkeit trotz der zusätzlichen Last nicht verringerte.
„Manche Züge kann eben nur das Pferd machen, nicht die Dame!“ flüsterte Särchen Joseph ins Ohr.
 
Das Pferd erhöhte das Tempo, Joseph klammerte sich fest an, Särchen umfasste ihn, um Halt zu finden. „Zum Raum wird hier die Zeit“ raunte sie ihm zu.  
Ohne Vorzeichen stoppte das Tier seinen Galopp vor der Mauer einer alten Burg.
„Hinauf!“ befahl Särchen und ohne auf die Schwerkraft irgendwie Rücksicht zu nehmen, ging das Pferd mit seiner Last den Turm empor, als ob dieser ebene Erde wäre. 
In Josephs Ohren flüsterte Särchen leise: 

„Bist selbst der König, den du heilen sollst! 
Sahst Welt vergehen,
Welten entstehen.
Werde, Sein und War
zugleich geschah! 
So führte dein Weg durch das Totenland
von Westen nach Osten, wo der Engel nicht stand.
 
Als den Zaum er fallen ließ, war hoffnungslos einst Parcival,
doch fand das Tier den Weg zum Graal. 
Manchmal blickt der Tod
über deine Schulter dir noch!
Angst macht dir sein Blick nicht länger,
die Seele führt dich doch!
 
Fühl das Leben, trink vom Quell,
Sternenbilder scheinen hell,
und ihr Sehnen
soll geschehen!
 
Bist ihr Prisma, brichst das Licht,
trübe doch die Sonne nicht!
Menschheit Sehnen
soll geschehen!“

Am Wehrgang der Burg endete der Teufelsritt. Das Ross schnaubte fröhlich und verwandelte sich wieder zum Schaukelpferd des Ringelspieles. 
Joseph stieg erleichtert ab.
„Noch alles heil?“ wollte er Särchen fragen, doch die war nicht mehr zu sehen.
Joseph kletterte eine Leiter in den Burghof hinab, die in der Mauer des Turmes eingelassen war.
 
Durch ein beleuchtetes Fenster sah er eine seltsame Zeremonie.
An einer mit üppigen Speisen gedeckten Tafel saß ein König mit einem Ritter in anregendem Gespräch vertieft. Große Kerzen erleuchten den Saal.
 
Der Burgherr war ein alter, gebrechlicher Mann, mit Zobelmütze und kostbarem Gewand angetan, dessen Gesicht aber von einem unendlichen körperlichen Leiden Zeugnis gab. Er lag auf einem Ruhebett, nahe beim offenen Feuer. Der Ritter nannte ihn einen ‚reichen Mann', sonst konnte Joseph aus diesem Gespräch kein Wort verstehen.
 
Da betrat ein Knappe mit einem abgebrochenen Schwert den Raum, den Knauf und ein Stück der Klinge konnte Joseph erkennen.
Der Knappe reichte die Waffenteile dem Burgherrn: „Das blonde Fräulein, eine Nichte, schickt Euch dies. Ihr möget es geben, wem Ihr wollt. Sie hofft, der Empfänger wird es zu schätzen wissen.“
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